Was nach einem exklusiven Erlebnis tönte, stellte sich an der Sitzung des Zürcher Gemeinderats vom Mittwochabend als doch nicht so spektakulär heraus: Urs Riklin (Grüne) bedankte sich in einer persönlichen Erklärung bei Tanja Maag (AL) dafür, «dass wir der Geburt einer Partei beiwohnen durften». Er bezog sich dabei auf eine Fraktionserklärung der AL, verlesen von Co-Fraktionspräsidentin Tanja Maag. Sie verkündete, «aus Alternative Liste wird Alternative Linke» und stellte fest, die AL befinde sich «im Wandel». Im Gemeinderat verträten mehrheitlich Menschen die Partei, die in den letzten Jahren neu dazu gestossen seien. Auch ausserhalb der parlamentarischen Institutionen habe sie mit ihrem «radikal sozialen» Slogan zahlreiche Aktivist:innen dazugewinnen können: «Dieser Erneuerungsprozess soll mit dem Namenswechsel noch deutlich sichtbarer werden.» Die AL-Mitgliederversammlung habe diesen am Dienstagabend «in einer lebhaften Atmosphäre des Aufbruchs» beschlossen. «Der Name ist ein Statement für eine politische Kraft links von Grün und SP», sagte Tanja Maag und fügte an, er sei auch ein Statement «für eine Alternative innerhalb der Linken, die nicht Teil des Establishments ist». Zurück zur persönlichen Erklärung von Urs Riklin: Nach dem Einstieg mit der Geburt hielt er trocken fest, es habe zwischen 2010 und 2018 schon eine Alternative Linke gegeben. Wie auch immer: Die Abkürzung bleibt gleich, und ob die Alternative Linke so viel anders politisieren wird als bisher die Alternative Liste, wird sich bestimmt noch weisen.
Stadtpolizei im Fokus
Zu reden gab sodann der Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) zum Thema «Verfügbarkeit der Stadtpolizei». GPK-Präsident Guy Krayenbühl (GLP) erinnerte eingangs daran, dass der Rat die GPK am 5. November 2025 per Beschlussantrag beauftragt hatte, die Verfügbarkeit der Stadtpolizei zu untersuchen. Die GPK führte die Untersuchung durch, den Bericht dazu erarbeitete Michael Schmid (FDP, nicht mehr im Rat). Guy Krayenbühl führte weiter aus, dass sich die Kommission mit den Fragen aus dem Beschlussantrag befasste und dazu ihrerseits Fragen ans Sicherheitsdepartement richtete. Weiter hielt sie im Februar 2026 eine Anhörung mit unter anderen der Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart und dem Kommando der Stadtpolizei ab. Die GPK nahm auch Einsicht in Daten zu, unter anderem, Einsatzstunden, Überstunden und Fluktuation.
Weil zwei konkrete Vorfälle Anlass zur Untersuchung gegeben hatten, kam Guy Krayenbühl natürlich auch darauf zu sprechen: Im einen Fall in Höngg, als eine Ladenbesitzerin belästigt wurde, sei das Vorgehen der Stadtpolizei zweckmässig gewesen: Sie verwies die Frau an die dortige, direkt gegenüberliegende Quartierwache. Fraglich sei jedoch, ob die Kommunikation optimal verlaufen sei. Den Fall einer jungen Frau, die im Tram angegriffen wurde, beurteile die GPK kritischer, fuhr der GPK-Präsident fort: In jener Nacht sei die Stadtpolizei wegen des Knabenschiessens, einem Grosseinsatz wegen einer unbewilligten gewalttätigen Kundgebung und mehreren schweren Verkehrsunfällen ausserordentlich stark belastet gewesen. Die Stadtpolizei habe jedoch auch selber eingeräumt, dass der Prozess nach der Alarmierung nicht optimal funktioniert habe und dass nicht geprüft worden sei, ob allenfalls eine Patrouille der Kantonspolizei verfügbar gewesen wäre.
Das Hauptproblem sei jedoch der personelle Unterbestand, der von 63 unbesetzten Stellen 2024 auf deren 90 Ende 2025 gestiegen sei, führte Guy Krayenbühl weiter aus. Gleichzeitig hätten sich die Überstunden-Auszahlungen um den Faktor 2,5 erhöht. Die GPK halte fest, dass diese Belastung mittel- bis längerfristig nicht tragbar sei. Doch zwischen 2014 und 2019 sei «sehr zurückhaltend rekrutiert worden», das Gentlemen’s Agreement zwischen den Korps (das beinhaltet, auf aktives Abwerben von Polizist:innen aus anderen Korps zu verzichten) sei weggefallen, und schweizweit herrsche zurzeit ein Mangel an Polizist:innen. Die GPK empfiehlt im Bericht unter anderem, den Beizug der Kapo vermehrt zu prüfen, die Kommunikation mit Geschädigten zu verbessern und insbesondere das Verhältnismässigkeitsprinzip weder in Richtung zu starkes Eingreifen (Übermass) noch in Richtung nicht genügende Massnahmen (Untermass) zu strapazieren.
In der Debatte stellte Roger Bartholdi (SVP) in den Raum, ob die untersuchten Fälle nicht doch nur «die Spitze des Eisbergs» gewesen sein könnten und fand, man hätte noch mehr recherchieren können. Sofia Karakostas (SP) sagte, ihre Fraktion habe im letzten November ihren Ablehnungsantrag zum Beschlussantrag nicht etwa gestellt, weil ihr die darin gestellten Fragen egal waren, im Gegenteil: «Wir hielten den gewählten Weg für unverhältnismässig.» Denn das Sicherheitsdepartement sei sich der Probleme bereits bewusst und ein neues Schichtmodell sei bereits in der Pilotphase gewesen. Der nun vorliegende Bericht bestätige «einige Punkte, die schon, bekannt gewesen sind». Er schiesse aber teilweise auch über das Ziel hinaus. Die SP teile beispielsweise die Einschätzung beim Unter- bzw. Übermassverbot nicht. Sie nehme den Bericht aber zur Kenntnis.
Moritz Bögli (AL) ging noch weiter: Das Ganze wäre eigentlich eine schriftliche Anfrage gewesen, befand er, und Punkte wie der Einbezug der Kapo oder bessere Kommunikation habe seine Fraktion schon eingebracht, als der Beschlussantrag behandelt worden sei. Er hätte nicht zuletzt «etwas mehr erwartet», weil der ehemalige Fraktionspräsident der FDP «doch eine grössere Summe für die Ausarbeitung des Berichts von der Geschäftsleitung bekommen hat». Es sei auch nicht ganz klar, weshalb im Bericht teils ausführlich zu Fragen Stellung genommen werde, die im Beschlussantrag gar nicht gestellt worden seien. So sei das Vorgehen der Stapo gegen die unbewilligte Demo auf dem Kasernenareal mit viel Personaleinsatz und viel Repression erfolgt, und dennoch spreche der Bericht hier davon, dass das Untermassverbot überschritten worden sei. Auch die Forderung, Landfriedensbruch zu verfolgen, finde er «mehr als bedenklich». Schliesslich nahm der Rat mit 104:7 Stimmen (der AL) vom Bericht Kenntnis.
Die weiteren Themen des Abends umfassten alte Bekannte wie die Frage, wie lang wir in diesem Sommer in Boulevardcafés WM gucken dürfen, oder die Gebühren für Quartierfeste und insbesondere die Schwamendinger Chilbi. Die SVP scheiterte ein weiteres Mal mit ihrer Forderung nach einer sofortigen Räumung aller besetzter Häuser in der Stadt. Ihr Postulat mit der Forderung nach der «Auflösung der offenen Drogenszenen rund um die Bäckeranlage und beim Hauptbahnhof mit ständigen Personenkontrollen und Wegweisungen von Freebase- und Crack-Konsumierenden» wurde ebenfalls abgelehnt.
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