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Klimastadt und Finanzplatz Zürich – wie geht das zusammen?

Der Schweizer Finanzplatz mit seinen Hauptquartieren in Zürich ist einer der global wichtigsten. Tausende Milliarden von Franken fliessen über diesen in wirtschaftliche Aktivitäten weltweit. Zürcher Finanzunternehmen finanzieren mit Krediten in grossem Stil klimaschädliche Projekte wie Ölbohrungen, Flüssiggas-Infrastrukturen, Stahlwerke, Schwertransporte oder die Abholzung von Regenwald für die Fleischproduktion. Die Weltwirtschaft, welche aktuell durch den Finanzplatz Zürich mit Kapital versorgt wird, produziert ein Vielfaches der Treibhausgase der Stadt und trägt zu einer Klimaerhitzung von 4 bis 6 Grad bei. Doch statt die Klimakatastrophe immer weiter voranzutreiben, sollte der Finanzplatz zu einem Teil der Lösung werden. Den Zürcher Banken, Vermögensverwaltern, Versicherungen und Pensionskassen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. 

Ein sehr aktuelles Problem sind die zunehmenden Flüssiggasimporte v.a. aus den USA nach Europa. Daniel Stern zeigte kürzlich in einer Hintergrundrecherche der ‹Wochenzeitung› (22/2026) auf, wie der Schweizer Finanzplatz massiv in den Bau von neuen Flüssiggas-Terminals in Nordeuropa investiert. In Deutschland bildet sich dagegen gerade eine starke Protestbewegung. Statt sich an diesem vom US-Präsidenten Donald Trump angefeuerten Rollback zu beteiligen, wären diese Gelder für den weltweiten Ausbau der erneuerbaren Energien besser angelegt. 

Klimastadt Stadt Zürich – ein Mythos?

Die Stadt Zürich hat sich mit ihrem Klimaziel verpflichtet, die CO2-Emissionen auf Stadtgebiet bis ins Jahr 2040 (Stadtverwaltung 2035) netto auf Null zu reduzieren. Die direkten CO2-Emissionen (Verkehr, Wärmeproduktion etc.) sollen um hundert Prozent, die indirekten Emissionen (Konsum, Flugverkehr etc.) zu dreissig Prozent reduziert werden. Um diese ambitiösen Ziele zu erreichen, betreibt die Stadt einen grossen Aufwand und investiert viel Know-how und Geld. Was bei diesen Bemühungen ausgeklammert wird, ist der Finanzplatz. Obwohl dieser für ein Vielfaches der städtischen Emissionen verantwortlich ist, unternimmt die städtische Politik keine Anstrengungen, den Finanzplatz zu einem klimaverträglichen Handeln zu bewegen. Wie geht das mit der Klimastadt Zürich zusammen? Ist diese nicht mehr als Mythos, wenn die Rolle des Finanzplatzes von den politisch Verantwortlichen nicht einmal thematisiert wird?

Es gibt Handlungsmöglichkeiten

Von offizieller Seite wird in Zürich der Standpunkt vertreten, dass die Klimaschutzpolitik für einen nachhaltigen Finanzplatz auf übergeordneter Ebene angegangen werden müsse. Die Stadt besitze keine Möglichkeiten und Kompetenzen, die Grossfinanz in Richtung eines klimagerechten Handelns zu beeinflussen. Das mag für die gesetzliche Ebene stimmen, ist aber dennoch nur die halbe Miete. 

Tatsächlich bestehen für die Stadt Zürich eine ganze Reihe von Handlungsmöglichkeiten, die angegangen werden können:

Aktive Kommunikation: Der Stadtrat kann eine aktive Kommunikation aufbauen bezüglich der Rolle des Zürcher Finanzplatzes im Rahmen der Klimakrise. Er kann die Notwendigkeit darlegen, dass sich dieser stärker um den Klimaschutz kümmern muss. Die Politiker:innen können diese Forderung im direkten Gespräch mit den Finanzunternehmen betonen. Die Stadt kann zivilgesellschaftliche Organisationen finanziell unterstützen, die einen klimaverträglicheren Finanzplatz einfordern.

Nationales Engagement: Als grösste Stadt der Schweiz hat Zürich die Möglichkeit, im Verbund mit anderen Städten (z.B. Genf) in Bundesbern aktiv zu intervenieren und Bundesrat und Parlament dazu aufzufordern, für den Finanzplatz die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit dieser klimaverträglicher agieren kann. Wenn sich die Städte in Sachen Klimaschutz zusammentun, haben sie in Bern einen stärkeren Hebel.

Pensionskassen: Die Zürcher Pensionskassen sind relevante Player auf dem Schweizer Finanzplatz und investieren jedes Jahr Milliarden von Franken. Die Stadt und die städtischen Angestellten besitzen die Kompetenz, ihre Pensionskassen zu einem klimaverträglichen Handeln zu verpflichten und sie damit zu einem Modell für andere Pensionskassen zu machen. Das tun auch bereits andere Städte.

Globaler Süden: In den Städten des globalen Südens wehren sich NGOs und Bewegungen gegen die klimaschädlichen Aktivitäten von Finanzkonzernen, darunter auch solchen aus Zürich. Die Stadt Zürich könnte einen Kredit zur Verfügung stellen, mit dem die internationale Arbeit von Klimaschützer:innen finanziell unterstützt wird, zum Beispiel für die Kosten von Rechtsverfahren.

Grundlagen: Es ist offensichtlich, dass der Zürcher Finanzplatz mit seinen Aktivitäten massiv zur Verschärfung der globalen Klimakrise beiträgt. Es fehlt jedoch an Transparenz darüber, welche Finanzakteur:innen in welchen Bereichen und in was für einem Ausmass klimaschädliche Investitionen tätigen. So wie die Stadt Grundlagenstudien zu ihrem Klimaziel in Auftrag gegeben hat, kann sie das auch bezüglich des Zürcher Finanzplatzes tun.

Fazit

Das heutige städtische Klimaziel, das den Finanzsektor ausklammert, reicht bei Weitem nicht aus, um Zürich auf Netto-Null zu bringen. Während sich in unserer Stadt Verwaltung, Organisationen und Betriebe engagiert darum bemühen, den städtischen CO2-Ausstoss zu reduzieren, richtet der Finanzplatz permanenten Schaden von weitaus grösserem Ausmass an. Ohne klimaverträgliche Finanzbranche bleibt der Klimaschutz in der Stadt Zürich Stückwerk. Stadt, Kanton und wir alle sind aufgefordert, für ein tatsächliches Netto-Null-Ziel von Zürich aktiv zu werden.

* Dominik Siegrist ist Präsident des Vereins Klimastadt Zürich

Der Beitrag Klimastadt und Finanzplatz Zürich – wie geht das zusammen? erschien zuerst auf P.S..

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