Artikel, p.s. Zeitung

Abgeholt

Es wär ja gelacht, wenn es Denise Wintsch, Christoph Rath und Michel Schröder mit einem selbstredend ausgesuchten Ensemble nicht gelänge, sämtliche Grossanstrengungen für ein massentaugliches Kulturerleben à la Landesausstellung und Mikroanforderungen von Förderstellen à la Teilhabe, Multimedialität und Altersvarietät dergestalt durch ein Passe-vite vermengt zu bekommen, dass sich alle im Publikum amüsiert, informiert, unterhalten fühlten und doch nicht wissen, was genau da jetzt genau verhandelt worden ergo mit ihnen geschehen ist. Die Tonalität aller Spieler:innen ist durchs Band total selbstverständlich und total entspannt. Sowohl im Ernst als der Selbstironie. Diese Lockerheit, begleitet sowohl von einer immer wieder aufploppenden Albernheit als auch der manifesten Beweisführung der gestreng wissenschaftsbasierten Vorbereitung, verleiht der selbsterfüllenden Prophezeiung der Absurdität der Forderung nach Erlangung der Fähigkeiten einer eierlegenden Wollmilchsau, wie sie die Theorie von Förderstellen wie Publikumserwartung und was da als drittes auch mal noch vorhanden war als oberste Erwartung an das Potenzial einer Rezeption über eine Kunstherstellung schreibt, eine hübsch verquere Ambivalenz. Ist also ein Tritt ans Schienbein im Denkorgan, im Lebensmotor und im schulbuchhaften Ohalätz alias Vernunft und Augenmass. Mit «The Bigger Bang» ist im klassischen Sinn der Zirkus in der Stadt, also der Strassenfeger, das Stadtgespräch, die ultimativ nicht zu verpassende Challenge. Aber wie das mit der Entwicklung alias Evolution eben so ist, besonders wenn sie den Menschen betrifft, kann daraus derweil durchaus eine Ahnung erwachsen, man drehte sich zuletzt bloss doch nur im Kreis und habe sich viel zu leichtgläubig einer raffinierten Bande von Neppern, Schleppern, Bauernfängern aufs Glatteis führen lassen. Urknall? Kurzschluss? Hauptsache, nichts ist mehr wie zuvor.

«The Bigger Bang», bis 20.6., Fabriktheater, ZH.

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