Die Boomerin (Selbstbeschreibung, bürgerlich: Annette Maria Marx) hat sich ein kindliches Verständnis von Schabernack bewahrt und kokettiert rein äusserlich mit dem naiven schutzbedürftigen Frauchen. Aber wehe, wenn sie losgelassen und das selbstironische Säuseln gegen das enervierte Aufbrausen auswechselt. Mit dem Ausländer William Mackenzie («insofern nicht so schlimm, als er es auch selber weiss») als handlicher Musikbegleitung führt sie in «Rumeiern. Grüsse aus der Irrelevanz» ein grosses Thema spazieren und verlockt in ihren ausführlichen Conférencen zwischen den Liedern ihr Publikum zur Versuchung, sie als schmerzfrei-harmlose Bühnenattraktion mit dem Ziel einer allgemeinen Erheiterung misszuverstehen. Die Art des Humors und die Chuzpe im feministischen Ernstfall erinnert an «Les Reines Prochaines». Wissend, welcher Altersspanne sie im Kabarett begegnet, ebnet sie etwaige Hürden des Fremdelns mit sattsam bekanntem Bedauern über das Verschwinden liebgewordener Gewohnheiten ein, um sich dann doch als rechtschaffen patent im Umgang mit den Neuerungen in Technik, Sprache und Habitus zu outen. Entgegen der als zielführend erprobten Methode zur Erlangung einer Publikumsgunst, demselben nach dem Mund zu reden und allein Zuspruch zu generieren, stakst sie unbeirrt und zielstrebig direkt in die Ambivalenz. Und holt sich die Vergewisserung über die Hintertür. Denn im Gefühl des Verlusts einer sicheren Selbstgenügsamkeit durch Ereignisse der letzten Jahre ist sie doch wieder voll bei den Leuten. Dem demonstrativen Unernst sich selbst gegenüber steht die Anspruchshaltung an die Fähigkeit (und den Willen) zum Selberdenken des Publikums entgegen. Schliesslich sind ihre Witze, wenn sie denn als solche daherkommen, ausgesucht grottenschlecht, derweil ihre Songtexte und Conférencen eben gerade nicht die plumpeste Pointe anvisieren, sondern von einem ausgeprägt wortklauberischen Verständnis von Witz zeugen. Dem Programmtitel entsprechend verunmöglicht sie es aktiv und gekonnt, diesen Abend mit dem Hochgefühl einer Komplettbegeisterung als rundum geglückt abhaken und unbesehens zum nächsten Programmpunkt eilen zu wollen. Dafür hat sie Nägel eingeschlagen – als Frau! –, an denen manch ein Strick sich befestigen liesse. Genauso für die Flucht aus der Realität oder Sie wissen schon: dito. Inhaltlich indes plädiert sie eindeutig für ein Hiergeblieben! Und malt der Lebensfreude mal eine Clownsnase, mal einen Krähenfuss ins Gesicht, denn wer wollte schon im Bierernst ersaufen.
«Rumeiern. Grüsse aus der Irrelevanz», 6.6., Theater Ticino, Wädenswil.
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