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Am 30. Oktober war der Tag der Angehörigenbetreuung, also einer der weit mehr als 365 «Tage der…», die es weltweit gibt. (An dieser Stelle ein Gruss an den Linkshändertag am 13. August! Venceremos!) Und dieser Tag wäre jetzt nichts Besonderes, worauf man nun unbedingt hätte anstossen sollen, aber er ist auch nicht komplett bedeutungslos, denn das damit verbundene Problem ist gerade erst am Wachsen. Und es wird die lange Liste der Belastungen im Service public noch weiter verlängern.
Dass viele Menschen am liebsten selbstständig bis zum Tod zu Hause leben möchten, ist nachvollziehbar, leider aber nicht realistisch. Es funktioniert nur, wenn viele Bedingungen stimmen, wie etwa der Mietzins, das Einkommen, Gesundheitszustand und Fitness oder gute soziale Kontakte. Ebenso oft braucht es die Unterstützung betreuender Angehöriger, etwa als Ergänzung zur Spitex. In einer aktuellen Publikation hat daher das Schweizerische Gesundheitsobservatorium Obsan klargemacht, dass die Pflegepolitik künftig auch hier vor grosse Herausforderungen gestellt werden wird.
Der Wunsch, möglichst lange zuhause leben zu können, setzt in den meisten Fällen voraus, dass Angehörige sogenannte informelle Hilfe in Pflege, Haushalt, Organisation, emotionaler Unterstützung oder Betreuung leisten können. Obsan schätzt die Anzahl Personen ab 65 Jahren, die mindestens einmal pro Woche Unterstützung erhalten, auf rund 640 000. Die Stundenzahl der pro Woche geleisteten Hilfe ist zwar in den meisten Fällen gering, liegt aber in 23 Prozent dennoch bei rund einem Arbeitstag. Die meisten älteren Menschen werden durch mehrere Angehörige unterstützt. Die Schätzungen gehen damit von über 1,5 Millionen Personen aus, die hier tätig sind, mehrheitlich übrigens Frauen. Über 60 Prozent der regelmässig betreuenden Angehörigen sind zwischen 30 und 64 Jahre alt, das heisst, sie müssen Beruf, Familie und Betreuung miteinander vereinbaren. Aber immerhin rund ein Viertel der Betreuenden sind selber pensioniert. Das ist bedeutsam, wenn man daran denkt, dass ältere Menschen in der Regel nur noch als Kostenfaktor betrachtet werden.
Die Vereinbarkeit von Beruf und Angehörigenpflege wird immer schwieriger. Es besteht also ein wachsender Druck auf formelle Pflegeangebote, da Angehörige weniger verfügbar sind. Einige Kantone haben bereits Fördermassnahmen im Angebot. Dennoch könnten mehr professionelle Pflege, Heime oder technologische Lösungen (zum Beispiel Telemedizin) notwendig werden. Erweiterung des Unterstützungsnetzwerks durch Nachbarschaft, Freiwillige oder ausländische Pflegekräfte werden diskutiert. Problematisch dabei sind gewinnorientierte Pflegeorganisationen, die die Unterstützung durch Angehörige schamlos kommerzialisieren.
Wie die Interessengemeinschaft Angehörigenbetreuung (Igab) in einer Medienmitteilung am 30. Oktober betont, ist die mangelnde Vereinbarkeit von Angehörigenbetreuung und Erwerbstätigkeit ein grosses Problem. Vorab Frauen geben ihren Beruf auf, um Angehörige zu betreuen. Daher bräuchte es mehr bezahlte Ferientage oder auch bezahlte oder unbezahlte Auszeiten mit Jobgarantie für eine längere Betreuungsaufgabe. Dazu braucht es nicht zuletzt eine Vergütung über die Krankenversicherung. Eine nationale Strategie fehlt aber immer noch. Und da das Ganze etwas kosten wird, sind hässliche Auseinandersetzungen über die Finanzierung vorprogrammiert. Allerdings sollten sich dabei alle einmal mehr die banale Tatsache vor Augen rufen, dass wir alle einmal alt werden. Früher oder später.
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