Leo Lerch und Meret Feigenwinter alias Institut für lesbische Angelegenheiten präsentierten mit «Wir trafen uns in einem Sommer» während des letztjährigen «Brücki235»-Jubiläumsfestivals das in sich stimmigste Highlight. Jetzt verantworten sie die szenische Adaption von «Blaupause» von Lea Lorena Wyss im Theater Neumarkt. Ein Text in Assoziationen und Sprüngen, der das Gefühl eines Unverstandenseins vermittelt, das sich sowohl während des Keimens einer Hoffnung als auch im Versuch einer Verarbeitung eines tragischen Verlustes einstellen kann. Als lähmend, störend, unnötig. Eine erzählende Person schildert – hier auf die drei Spielerinnen Anouk Barakat, Miriam Japp und Lisa Ursula Tschanz aufgeteilt –, wie eine Selbstwerdung mit einem Spickel des Lichtfarbenspektrums vergleichbar ist. Ist das angebliche Weiss noch nicht in seiner Vielfalt der Einzelfarben erkennbar, scheint es vornehmlich zu blenden. Dann ist vorübergehend alles sehr schön bunt, doch wenn das Blau diesem Spektrum jäh entrissen wird, können alle anderen Spektren nicht verhindern, dass Grau als ein alles überlagernder Schleier die Sicht dominiert. Weniger kryptisch ist es die Schilderung einer Langzeiterfahrung. In Jugendjahren erst herauszufinden, das eigene Geschlecht zu lieben und dies gegenüber sich selber, der Familie und dem weiteren Umfeld eingestehen zu vermögen. Eine Liebe zu finden und zu leben, die komplex ist bis zum Kitsch. Bis eine Krankheit den Lieblingsmenschen aus dem Leben reisst. Eine wiederkehrende Familienfeier und darin die Reaktion der einfühlsamen Tante Eva, der coolen Tanja und von dreizehn Cousinenköpfen bilden hier ein Erzählgerüst, das in jedem Fall die eigene Singularität klarmacht, weil der entgegengebrachte Tonfall der anderen in jeder Situation auf einzigartig die Distanz entlarvende Weise brüllend bis flüsternd die Nichtzugehörigkeit und das Unverstandensein manifestiert. Dabei ist die Haltung der erzählenden Person nicht weinerlich, angriffig, vorwurfsvoll, sondern vielmehr sich wundernd, fragend, mit den Lücken und Leerstellen hadernd. Sie sucht Filmmomente aus dem kollektiven Bewusstsein, um eine Wiedererkennbarkeit der aktuellen Gefühlslage zu ermöglichen oder zumindest eine Ahnung davon zu vermitteln. Auch weil eine Gewissheit nie vollends zu erlangen ist. Selbst für sich selbst nicht. Mal präsentieren sich die Spielerinnen raumgreifend eine Laszivität probend, mal suchen sie sich in einem Menschenknäuel verkriechend nach Schutz. Ätzend höhnisch bis emotional ergriffen. Aber erkennbar immer irgendwie jenseits.
«Blaupause», bis 11.6., Theater Neumarkt, Zürich.
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