Theater ist eine krass hierarchische Angelegenheit. Also Stadttheater. Wobei die Reihenfolge, bezieht es sich für einmal nach dem tatsächlichen Einfluss, in einer Innensicht nicht zwingend dem Bild von aussen entsprechen muss. In John von Düffels «Knechte der Kulturindustrie», einem Gastspiel des TD Berlin, sind alle Figuren in Abstufungen betriebsblind oder von Eitelkeit verblendet. Der regieführende Intendant Hans (Florian Stetter) findet am Tag nach seiner höchstens lau begeisternden Premiere eine einstweilige Verfügung alias Verbot einer weiteren Vorführung dieser Fassung durch die Autorenrechtevertretung im Fax (!), sollte die von ihm und der Chefdramaturgin Ulla (Isabel Schosnig) herausgestrichene Nebenfigur nicht stante pede wieder reingeschrieben werden. Auf der Lohnliste als Ensemblemitglied steht der Schauspieler Manfred (Franke Wiegard), der indes noch nie so wirklich bedeutend besetzt worden ist und darüber hinaus in einem wirtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnis steckt: als privater Partner von Ulla. Drei Ebenen oder Hierarchiestufen, die sich hier hinter den Kulissen in überragend klugen und tiefschürfenden Voten einzig darum bemühend geben, die Freiheit der Kunst und die Weiterentwicklung des Theaters im Sinn zu führen. Kompromisslos, versteht sich. Also theoretisch. Und natürlich wird neuerdings auch höchster Wert auf Sozialverträglichkeit, Ansprache und Umgang mit Nähe und Distanz gelegt und dies mit einem Tonfall bestärkt, als handelte es sich dabei um eine tatsächliche Selbstverständlichkeit respektive ein intrinsisches Bedürfnis nach Respekt. Georg Scharegg inszeniert diese Verbiegeakrobatik in Verlogenheit mit einem solchen Todernst, dass das Stück den Anschein erweckt, zum Brüllen komisch zu sein und das Zuschauen tatsächlich zur Heidengaudi wird. Derweil das Menschliche im Umgang grad in Echtzeit der Zeitlupe eines Videobeweises in der halluzinierten Grandezza eines Triumphs vor die Hunde geht.
«Knechte der Kulturindustrie», 12.6., Theater Winkelwiese, Zürich.
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